Trotz Augenerkrankung den Durchblick bewahren

Die Augen sind unsere wichtigste Wahrnehmungsquelle - eine Augenerkrankung sollte deshalb schnell therapiert werden

Unsere Augen leisten ständig Präzisionsarbeit. Sie fokussieren Nähe und Ferne, stellen sich immer wieder auf neue Lichtverhältnisse ein. Mehr als 80 Prozent aller Informationen nehmen wir über die Augen auf. Die Angst vor einer Augenerkrankung ist deshalb groß. Doch egal, ob grüner Star oder grauer Star oder starkes Schielen – in den meisten Fällen können Ärzte heute helfen.

ZEISS,Trotz Augenerkrankung den Durchblick bewahren

Trotz Augenerkrankung den Durchblick bewahren

Um uns in unserer Umgebung zurechtzufinden, brauchen wir in jedem Augenblick ein möglichst genaues Bild von ihr. Zuständig dafür sind unsere Augen. Wenn sie plötzlich nicht mehr richtig funktionieren, kann das regelrecht Angst machen. Doch egal, um welche Augenerkrankung es sich handelt, die moderne Medizin ist fast immer in der Lage, das Augenlicht zu retten. Wichtigste Voraussetzung dafür ist die Früherkennung von Augenerkrankungen. Deshalb fordern Augenärzte und Optiker, ab dem 40. Lebensjahr einmal jährlich zum Augenarzt zu gehen. Denn frühzeitig entdeckt, können Gegenmaßnahmen getroffen werden, bevor es zu anhaltenden Schäden kommt.

 

Sehen Sie hier eine Übersicht über die häufigsten Augenerkrankungen:

  • Schielen (Strabismus)

    Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland schielen. Damit gehört diese Augenerkrankung zu den häufigsten Leiden der beiden Sehorgane. Bei Kindern wird das Problem meist vererbt. Wichtig zu wissen: Schielen ist keineswegs nur ein Schönheitsfehler. Bei schielenden Kindern stehen die Augen im falschen Winkel zueinander, das Kind sieht meist Doppelbilder. Um diesen unangenehmen Zustand auszugleichen, wendet das Gehirn einen Trick an: Das nicht schielende Auge übernimmt allein das Sehen, das andere wird „ausgeschaltet". Folge: Es wird immer schwächer, bis das Kind auf dem Schielauge fast nichts mehr sehen kann. Das größte Problem: Ab etwa dem 6. Lebensjahr sind alle Sehvorgänge so verfestigt, dass eine erst dann einsetzende Therapie keinen Erfolg mehr haben kann. Experten unterscheiden bei dieser Augenerkrankung mehrere Formen:

     

    • Latentes Schielen (Heterophorie)
      Hier liegt eine Störung des Augenmuskelgleichgewichts vor. Das Gehirn gleicht diese Art des Schielens weitgehend aus, bei Übermüdung und Stress können Kopf- und Augenschmerzen auftreten.
    • Begleitschielen (Heterotropie)
      Das Augenpaar bewegt sich zwar in allen Blickrichtungen gleichmäßig koordiniert, trotzdem sind die Augen nicht auf ein und dasselbe Objekt gerichtet. Der Schielwinkel ist in allen Blickrichtungen gleich. Eine Therapie im Kindesalter ist bei dieser Augenerkrankung ganz wichtig, um eine Seheinschränkung des abweichenden Auges zu vermeiden.
    • Lähmungsschielen (Parese)
      Meist die Folge einer neurologischen Erkrankung, eines Unfalls oder weil ein oder mehrere Augenmuskeln in ihrer Funktion beeinträchtig sind.

     

    Wichtig zu wissen: Ein Baby kann Gegenstände noch nicht fixieren. Es ist also normal, wenn die Augen mal nicht parallel stehen. Problematisch wird es, wenn ein Auge ständig von der Richtung des anderen abweicht. Wenn das Kind „tollpatschig“ ist, kann das ebenfalls ein Warnsignal sein. Für Eltern ist es manchmal schwierig, einzuschätzen, ob das Kind schielt oder nicht. Eine augenärztliche Untersuchung liefert Gewissheit.

    Aufgrund der unterschiedlichen Schielformen variieren auch die Behandlungsmöglichkeiten. Am bekanntesten ist die sogenannte Okklusionsbehandlung, bei der das „gute“ Auge mit einem Pflaster abgeklebt wird. Manchmal reicht auch eine abgeklebte Brille aus. So wird das Gehirn gezwungen, das schwache Auge zu unterstützen und zu trainieren.

    Je früher diese Behandlung einsetzt, desto größer die Erfolgsaussichten. Hält das Schielen trotz aller Maßnahmen an, kann das betroffene Auge im Vorschulalter operiert werden.

  • Grauer Star (Katarakt)

    Der Name Katarakt stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt Wasserfall. Im Altertum waren Gelehrte der Ansicht, dass die zu erkennende graue Farbe in der Pupille des Menschen geronnene Flüssigkeit sei. Heute weiß man es besser: Schuld am grauen Star sind Eiweißstoffe, die in der Augenlinse verklumpen. Schuld ist meist Nikotinkonsum, aber auch Diabetes und UV-Strahlen können der Auslöser sein. Betroffene sehen dann wie durch Milchglas. Glücklicherweise ist die Krankheit gut zu behandeln. Die eingetrübte Linse wird in einer ambulanten OP entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt. Ein Routineeingriff, den Ärzte allein in Deutschland 500 000-mal jährlich durchführen.

  • Grüner Star (Glaukom)

    Diese Augenerkrankung ist weitaus tückischer, denn sie verursacht keine Schmerzen. Durch steigenden Augeninnendruck kommt es zu einer schleichenden Schädigung der Netzhaut und schließlich zu einer Zerstörung des Sehnervs. Die Krankheit heißt grüner Star, weil man bei sehr hohem Augeninnendruck einen grünen Strahlenkranz (Halo) um Lichtquellen herum sehen kann. Nur frühzeitig entdeckt ist die Krankheit heilbar. Spezielle Medikamente (Augentropfen) können das Augenlicht retten. Deshalb unbedingt regelmäßig die Augen untersuchen lassen. Nervenfasern, die einmal verloren sind, lassen sich nicht wieder retten.

  • Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD)

    In Deutschland leiden rund 4,5 Millionen Menschen unter dieser Augenerkrankung. Es ist ein typisches Seniorenleiden, denn die AMD tritt meist im höheren Alter auf, da die Netzhaut dann nicht mehr so gut versorgt wird und Zellen nach und nach absterben. Ein kleiner Augentest lässt das Frühstadium dieser Krankheit erkennen. Blickt man beispielsweise im Badezimmer auf eine Fuge zwischen den Fliesen, sieht man plötzlich einen Knick, der eigentlich nicht da ist. Im Frühstadium der Krankheit bekommt die Fuge im Badezimmer plötzlich einen kleinen Knick. Schreitet die Degeneration voran, gehen auf der Netzhaut an der Stelle des schärfsten Sehens, Makula genannt, die Sehzellen nach und nach zugrunde. Nur die Randbereiche bleiben von der Zerstörung verschont. Das führt dazu, dass AMD-Kranke, wenn sie zum Beispiel eine Straße hinunterblicken, zwar die Häuser rechts und links sehen, die Autos auf der Fahrbahn aber nicht. Die Augenerkrankung tritt in zwei Varianten auf:


    • Trockene AMD
      Das sogenannte Pigmentepithel unter der Netzhaut geht zugrunde, und als Folge sterben die Sehzellen. Mehr als 80 Prozent der AMD-Patienten leiden an der trockenen Form. Sie entwickelt sich langsam, über viele Jahre hinweg. Für die Betroffenen gibt es nach wie vor kaum Behandlungsmöglichkeiten. Bei den meisten Patienten kann eine vergrößernde Sehhilfe dazu beitragen, dass sie zumindest lesen können.

    • Feuchte AMD
      Die feuchte AMD schreitet viel aggressiver voran als die trockene. Auch bei ihr geht das Pigmentepithel zugrunde, und die Sehzellen sterben ab. Charakteristisch für die feuchte Form ist jedoch, dass Blutgefäße in die Netzhaut einwachsen. Die neuen Äderchen bluten leicht. Dadurch schwillt die Netzhaut an, und die Patienten sehen verzerrte Bilder. Die ausgebluteten Äderchen hinterlassen zudem auf der Netzhaut Narben. In der frühen Phase dieser Augenerkrankung helfen spezielle Medikamente. Sie hemmen das Wachstum der Blutgefäße unter und in der Netzhaut. Manchen hilft auch eine Lasertherapie oder eine sogenannte Photodynamische Therapie. An manchen Kliniken werden neuartige netzhautchirurgische Operationen erprobt.
  • Diabetische Retinopathie

    Diabetische Retinopathie ist eine der häufigsten Gründe für Erblindung im Alter. Sie tritt meist infolge der Zuckererkrankung (Diabetes) auf. Es handelt sich um eine Erkrankung der Netzhaut. Die dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerte führen zu Veränderungen an den Blutgefäßen der Netzhaut. Es kommt zu Sehstörungen und Sehverlust. Ärzte unterscheiden drei verschiedene Formen:


    • Nicht proliferative diabetische Retinopathie
      Hier beschränken sich die Gefäßveränderungen auf die Netzhaut. Betroffene merken meist nichts davon.
    • Proliferative diabetische Retinopathie
      Bei fortschreitender Erkrankung können sich neue Gefäße bilden, die von der Netzhaut aus bis in den Glaskörper wuchern können. Es kann dann nicht nur zu Blutungen kommen, auch die Netzhaut kann sich ablösen. Das Sehen ist bereits deutlich verschlechtert.
    • Diabetische Makulopathie
      Fettablagerungen, Schwellungen und austretende Flüssigkeit bedrohen die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens. Ein weiteres Fortschreiten kann zur Erblindung führen.

     

    Für alle Diabetiker ist es deshalb sehr wichtig, dass sie richtig eingestellt sind. Leider ist das nicht immer der Fall. In einem frühen Stadium kann eine Laserbehandlung die Gefäßveränderung aufhalten. Bei fortgeschrittener Erkrankung ist eine aufwendige Operation nötig, um den Patienten vor Erblindung zu bewahren.

  • Trockenes Auge

    Es brennt, es juckt, und es fühlt sich an, als schmirgelten winzige Sandkörner über die Pupille. Blendende Sonne, ätzende Abgase, umherfliegende Pollen, Staub und Computerflimmern können die unangenehmen Symptome auslösen. Normalerweise spült die Tränenflüssigkeit Fremdpartikel aus dem Auge, versorgt es mit Sauerstoff und Nährsubstanzen. Doch der feuchte Film kann versiegen, und es kommt zum berühmten Sandkorngefühl. Die häufigsten Auslöser sind zu langes Starren auf den Bildschirm, trockene Zimmerluft und Autoklimaanlagen. Aber auch hormonelle Störungen oder Medikamente, wie etwa die Antibabypille oder Betablocker, können schuld sein. Es kann aber nicht nur daran liegen, dass zu wenig Tränenflüssigkeit produziert wird. Manchmal stimmt deren Zusammensetzung nicht. Am besten helfen bei beiden Formen sogenannte „künstliche Tränen“. Dabei handelt es sich um Tropfen oder Gele, die als Tränenersatz dienen. Die Tropfen werden in den unteren Bindehautsack geträufelt. Dann sollte man die Augen bei geschlossenen Lidern „rollen“, um die Wirkstoffe gut zu verteilen.

     

    Achtung: Zu langer und häufiger Gebrauch kann dazu führen, dass das Auge immer weniger Tränenflüssigkeit produziert. Deshalb ist es wichtig, mit dem Arzt unbedingt über die Ursache zu sprechen und diese, wenn möglich, zu beseitigen (Pillenwechsel, Vermeidung der Reizauslöser).

     

    Noch ein Tipp für die Freizeit: beim Schwimmen in stark gechlorten Pools eine Schwimmbrille tragen. Wenn die örtliche Behandlung nicht hilft, gibt es als letzten Ausweg immer noch die Operation. Dr. Mehrle: „Dabei werden die ableitenden Tränenwege ganz oder teilweise verschlossen, damit die Tränenflüssigkeit nicht so schnell abfließt.“

  • Retinitis pigmentosa

    Eine Zeitung oder ein Buch kann man bei dieser Augenerkrankung gerade noch lesen, denn Betroffene sehen die Welt in einer Art Tunnelblick. Bei der Retinitis pigmentosa handelt es sich um eine Erbkrankheit, an der in Deutschland rund 40 000 Menschen leiden. Aufgrund eines Erbfehlers sterben nach und nach die lichtempfindlichen Zellen in der Netzhaut ab. Zuerst die für das Nacht- und Dämmerungssehen verantwortlichen Stäbchen.

     

    Typischerweise gehen die Zellen von außen nach innen zugrunde. Die Makula in der Mitte des Auges bleibt zunächst verschont, deshalb können Patienten mit dieser Augenerkrankung auch weiterhin noch längere Zeit lesen. In schweren Fällen sterben aber schließlich alle Zellen ab. Die Krankheit beginnt meist schon im jungen Alter. Beide Augen sind gleichermaßen betroffen. Zuerst können an Retinitis pigmentosa Erkrankte in der Dämmerung nicht mehr gut sehen, dann folgt Nachtblindheit, schließlich bleibt nur noch ein kleiner Tunnel übrig. Man kann sich mit Sehhilfen, z.B. Kantenbrillen, helfen. Sie ist getönt und verhindert allzu starkes Blenden. Hoffnung machen die Fortschritte in der Genetik und Molekularbiologie. Experten hoffen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis eine erfolgreiche Therapie möglich ist.

     

    Erste Erfolge haben Ärzte am Universitätsklinikum Aachen gefeiert. Sie haben eine komplett implantierfähige Sehprothese entwickelt und bei sechs Patienten eingesetzt. Die Prothese funktioniert drahtlos. Sie wird mit einer Kamera gekoppelt, die – per Funk – Bildsignale an das Implantat sendet. Damit das Implantat erfolgreich eingesetzt werden kann, muss ein Teil der Nervenzellen noch intakt sein.

  • Lichtblitze / Netzhautablösung

    Wer auch bei geschlossenen Augen Lichtblitze sieht, sollte einen Termin beim Augenarzt machen. Denn typisch für diese Symptome ist eine altersbedingte Glaskörperveränderung.

     

    Der Grund für diese Augenerkrankung: Im Laufe der Jahre kommt es zunächst zu harmlosen Ablagerungen im Glaskörper, Kollagenfasern verklumpen. Weil sich der Glaskörper verflüssigt, bilden sich wassergefüllte Spalten. Die darin umherschwimmenden festen Strukturen werden bei Augenbewegungen als sich bewegende Schatten, Fädchen oder Flusen wahrgenommen. Diese sogenannten Mouches volantes sind zwar störend, aber noch nicht gefährlich und therapiebedürftig.

     

    Schreitet die Verflüssigung jedoch voran, kann sich der Glaskörper ganz oder teilweise von seiner Unterlage abheben. Zwei Formen werden dabei unterschieden: die inkomplette und die komplette Glaskörperabhebung.


    Bei der inkompletten Abhebung bleiben Verbindungen zwischen der Glaskörpergrenzschicht und der Netzhaut bestehen. Wenn Betroffene sich bewegen, kommt es zu Zugkräften auf die Netzhaut und so zu Lichtblitzen. Sobald der Glaskörper vollständig abgelöst ist, verschwinden die Lichtblitze wieder.

    Bei einer kompletten Glaskörperabhebung kann aber die Netzhaut einreißen, und es kommt zu einer Netzhautablösung und auch Glaskörpereinblutung.


    Zur Diagnose untersucht der Augenarzt den Glaskörper mit Spaltlampe und Kontaktglas und überprüft den Augenhintergrund. Diese Komplikationen müssen schnellstmöglich behandelt werden, denn bei Netzhautablösungen ist eine Operation nötig.

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