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Wie moderne Brillengläser Ihr Sehpotenzial voll ausschöpfen können

Im Gespräch mit ZEISS über ganzheitliche Brillenglasbestimmung und binokular optimierte Brillengläser.

Alle Brillenträger kennen sie, die Brillenglasbestimmung oder subjektive Refraktion. Der Augenoptiker setzt uns eine Messbrille auf, und wir werden gebeten, Buchstaben, Zahlen oder Ringe mit der Richtung der Öffnung in unterschiedlichen Größen auf einer Projektionsfläche zu lesen. Nach dem Einsetzen unterschiedlicher Messgläser in die Messbrille geben wir die Verbesserung oder Verschlechterung unseres Seheindrucks an. Der Augenoptiker bestimmt so Schritt für Schritt präzise die Brillengläser, die uns ein klares und scharfes Sehen wieder ermöglichen. Doch geht das denn auch besser und noch genauer? BESSER SEHEN sprach mit dem Product Manager für die augenoptischen Instrumente bei Carl Zeiss Vision, Carsten Kreß.

BESSER SEHEN: Die Brillenglasbestimmung ist der wichtigste Teil beim Brillenkauf. Was macht eine moderne subjektive Refraktion heutzutage aus?

Wie moderne Brillengläser Ihr Sehpotenzial voll ausschöpfen können

Carsten Kreß, Product Manager für die augenoptischen Instrumente bei Carl Zeiss Vision

Carsten Kreß: Das stimmt. Ziel der Brillenglasbestimmung, so wie wir sie bei ZEISS verstehen, ist es, dass jeder einzelne Patient möglichst viel sieht. Das mag jetzt banal klingen, aber wir möchten erreichen, dass der Brillenträger genau die Brillengläser erhält, die sein individuell komplett verfügbares Sehpotenzial hervorbringen. So möchten wir nicht nur, dass die Sehschärfe die umgangssprachlichen „100%“ erreicht, sondern dass das Maximum erreicht wird. Das kann individuell sehr unterschiedlich sein.

 

BESSER SEHEN: Was sind die Voraussetzungen dafür?

 

Carsten Kreß: Ganz entscheidend dafür sind die Prüfbedingungen bei der subjektiven Refraktion selbst. Klassischerweise findet die Brillenglasbestimmung immer noch häufig mit Hilfe von Projektoren statt, die die Sehzeichen an eine Wand projizieren. Um die Sehzeichen möglichst kontrastreich zu sehen, muss der Refraktionsraum allerdings abgedunkelt werden. Das kann ein Nachteil sein, da die Lichtverhältnisse in der Regel nicht mehr denen beim Tragen der späteren Korrektion entsprechen.

 

So haben wir bei ZEISS seit 1958 Messgeräte entwickelt, die sich durch Sehzeichen auszeichnen, die von hinten durchleuchtet werden. Dadurch kann die subjektive Refraktion nun bei Tageslichtbedingungen stattfinden. Das aktuelle Gerät für die Messung in die Ferne ist das elektronische i.Polatest®, das die Sehzeichen auf einem speziell modifizierten LCD darstellt. Ein weiterer Vorteil dieses Sehprüfgerätes ist, dass die Sehzeichen immer neu generiert werden. Dem Patienten kann der Prüfer somit bei Bedarf immer eine neue Auswahl zu lesen darbieten, und die Ermüdung oder auch ein Auswendiglernen werden wirkungsvoll vermieden. So kann der Augenoptiker zugleich unterschiedliche Sehzeichen, wie Buchstaben, Zahlen, Landoltringe, E-Haken oder auch Symbole für Kinder oder Analphabeten ganz nach Bedarf einsetzen.

 

Ein ähnliches Instrument gibt es auch für die Brillenglasbestimmung in die Nähe, für Lesebrillen oder Brillen für den Arbeitsplatz. Im individuell üblichen Lese- bzw. Arbeitsabstand des Patienten wird dabei die Refraktion mit einem mobilen Handgerät, Polatest® N Classic, durchgeführt. Denken Sie beispielsweise an einen Musiker, der seine Partitur genau in einem bestimmten Abstand klar lesen können muss. Genau auf diesen Leseabstand können Brillengläser optimiert werden, wenn dies bei der subjektiven Refraktion exakt berücksichtigt wird.

 

BESSER SEHEN: Ist es richtig, dass mit i.Polatest® für beide Augen gleichzeitig eine Brillenglasbestimmung stattfindet, und warum ist dies von großer Bedeutung?

i.Polatest®

i.Polatest®

Carsten Kreß: Der Ablauf ist folgender: Mit i.Polatest® optimiert der Augenoptiker zuerst das Brillenglas für das eine Auge und dann getrennt davon für das andere – ganz normal, eine monokulare Messung. Da der Patient in der Regel jedoch zwei am Sehprozess beteiligte Augen hat, muss danach aber auch immer das Zusammenspiel beider Augen überprüft werden. Dazu bieten wir bei Polatest® Geräten polarisierende Tests an, daher übrigens auch der Name Polatest®.

 

Wir haben auch Binokular-Tests integriert, mit denen man eine sogenannte Winkelfehlsichtigkeit bestimmen kann. Letztlich haben die binokularen Tests jedoch alle ein Ziel: ein gutes und entspanntes Sehen mit beiden Augen gleichzeitig. Die so ermittelten Messgläser lassen sich für den täglichen Gebrauch in Brillengläser übertragen.

 

Was ist eine Winkelfehlsichtigkeit?

Funktioniert beidäugiges Sehen normal, blicken beide Augen exakt gleich auf das zu sehende Objekt. Bei Winkelfehlsichtigkeit liegt ein Ungleichgewicht der Augenbewegungsmuskulatur vor, die dem Betroffenen einen mehr oder weniger großen Energieaufwand abverlangt, um Einfachsehen zu ermöglichen. Würden die Augen ihre anstrengungsärmste Stellung einnehmen, entstünden Doppelbilder. Der Winkelfehlsichtige unterliegt dem (unwillkürlichen) Zwang, diesen Sehfehler auszugleichen, was zu vielfältigen Beschwerden führen kann. Zu vergleichen ist dies vielleicht am besten mit einer Abweichung im Körperbau, z.B. ein Bein ist leicht kürzer als das andere. Rückschmerzen und Verspannungen können die Folgen sein, und dies kann einfach durch eine entsprechende Einlage im Schuh ausgeglichen werden. Prismenbrillen können Winkelfehlsichtigkeiten ausgleichen.

 

Carsten Kreß: Viele Menschen wissen häufig gar nicht, dass sie binokulare Probleme haben. So gibt es zum Beispiel Patienten, die viele Jahre unter starken Anstrengungsbeschwerden (wie Kopfschmerzen, brennende Augen oder hohe Lichtempfindlichkeit), Leseproblemen, verminderter Tiefenwahrnehmung oder permanenten Verspannungen durch eine leichte, unbemerkte Schräghaltung des Kopfes leiden, die bisher trotz eingehender Untersuchungen nicht entdeckt wurden. Es kommt gar nicht so selten vor, dass diese Menschen unter einer nicht erkannten Winkelfehlsichtigkeit leiden und dass diese mit einer sogenannten Prismenbrille – keine Angst, die Brillengläser entstellen nicht – behoben werden kann. Ein polarisierender bzw. binokularer Sehtest kann hier zusammen mit einer ausführlichen Anamnese Aufklärung bringen.

 

BESSER SEHEN: Wie funktionieren diese Tests?

 

Carsten Kreß: Der Patient blickt wie zuvor bei den monokularen Messungen auf das Sehprüfgerät. Durch eine spezielle Technik – ähnlich wie bei 3D-Projektionen – werden bei diesen Tests Testanteile nur jeweils einem Auge dargeboten, während das Testumfeld ganz normal mit beiden Augen gesehen wird. Auf Grund der Aussagen des Patienten, wie er diesen Test wahrnimmt, also z.B. ob alle Testanteile gleichzeitig gesehen werden oder ob Teile des Tests gegeneinander verschoben sind, werden Korrektionsschritte abgeleitet, die am Ende der Messung das beidäugige Sehen verbessern können.

Eine im deutschsprachigen Raum verbreitete Methodik, das Binokularsehen exakt zu korrigieren, wurde von H.-J. Haase bereits 1953 entwickelt und nach ihm benannt: die sogenannte Mess- und Korrektionsmethode nach Haase, kurz MKH. Der Augenoptiker kann je nach Anamnesebefund allerdings auch mit i.Polatest® andere binokulare Tests und Methoden nutzen, um binokulares Sehgleichgewicht zu erreichen.

 

BESSER SEHEN: Können Kinder eigentlich auch winkelfehlsichtig sein?

 

Carsten Kreß: Natürlich. Generell kann man sagen, dass es äußerst wichtig ist, das Sehvermögen der Kinder und auch Kleinkinder immer wieder zu checken. Man glaubt gar nicht, wie viele Sehschwächen unser Gehirn einfach von selbst ausgleicht – gerade bei Kindern. Das besser sehende Auge übernimmt beispielsweise den Job, und der schlechtere Seheindruck wird einfach unterdrückt. Je früher man das erkennt und reagiert, desto besser sind die Chancen, Sehschwächen gezielt zu behandeln und ein Binokularsehen zu entwickeln. Das muss gar nicht immer ein umfangreicher Sehtest sein. Eltern können einfache Augenfolgebewegungen, sogenannte Motilitätstests, beispielsweise selbst durchführen: einfach einen Gegenstand aus verschiedenen Richtungen durch das Blickfeld des Kindes bewegen und beobachten, wie beide Augen dem Gegenstand folgen – gleich, ungleich oder mit Sprüngen. Reagiert eines der Augen anders, ist es empfehlenswert, dies von einem Augenarzt überprüfen zu lassen.

 

Man weiß mittlerweile, dass Beeinträchtigungen wie Legasthenie, Unruhe und Unkonzentriertheit oder ADHS bei Kindern durchaus auch mit Sehstörungen zusammenhängen können.

 

Sehtests können mit Kindern durchgeführt werden, sobald sie sprechen können. Zuvor kommen Beobachtungs- oder andere Messmethoden, beispielsweise bei Frühchen, zum Einsatz.

 

BESSER SEHEN: Warum führen viele Augenoptiker vor der subjektiven Refraktion eine objektive Refraktion durch?

 

Carsten Kreß: Eine objektive Refraktion wird meist mit einem Autorefraktometer durchgeführt. Der Patient schaut dazu in das Gerät, und die Fehlsichtigkeit der Augen wird nacheinander einzeln, also monokular automatisch gemessen. Bei ZEISS heißt das Autorefraktometer i.Profiler® und misst mit Wellenfronttechnologie. Mit dieser Technologie können auch Abbildungsfehler höherer Ordnung gemessen werden, die dann wiederum dazu benutzt werden können, die Brillenkorrektion für Situationen mit wenig Licht (wie Dämmerung und Nacht) zu optimieren. Einer der Vorteile, warum man erst eine objektive Refraktion macht, ist ganz klar, den Patienten nicht durch lange andauernde Untersuchungen im Refraktionsraum zu überanstrengen. Mit dem i.Profiler® erhält der Augenoptiker sehr schnell erste äußerst aufschlussreiche Messergebnisse, mit denen er dann sofort in die subjektive Refraktion einsteigen kann und die Brillenglasoptimierung im Detail stattfindet. Somit dann auch die binokulare Messung.

Legende der Sehtestergebnisse:

Beim Sehtest wird der Brechwert der optischen Korrektur des Auges ermittelt, ohne dass durch das Auge ein scharfes Bild durch eine Akkommodation (eigene dynamische Anpassung der Brechkraft der Augenlinse) stattfindet.

0,00 dpt (Dioptrien) = Normalsichtigkeit (Emmetropie)

Ungleich 0,00 dpt (Dioptrien) = Fehlsichtigkeiten (Ametropien)

z.B. sph +2,00 dpt (Dioptrien) = Weitsichtigkeit oder Übersichtigkeit (Hyperopie) – auch bei Alterssichtigkeit (Presbyopie); dann spricht man aber von einem Nahzusatz, der sogenannten Addition (Add)
z.B. sph -1,00 dpt (Dioptrien) = Kurzsichtigkeit (Myopie)

cyl 1,00 dpt (Dioptrien) = zylindrische Fehlsichtigkeit (Astigmatismus), sogenannte Stabsichtigkeit (da ein Punkt stab-/strichförmig im Auge abgebildet wird)

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